Ausbildung im Brandcontainer 2018 Drucken

Die Ausbildung im Brandcontainer ist immer etwas ganz Besonderes: Nirgendwo sonst gibt es die Möglichkeit, so realitätsnah das Szenario eines Zimmerbrandes und die Personenrettung daraus vorzunehmen.

Aber von Anfang an: Im ehemals Bayer-, jetzt Covestro-Industriepark in Brunsbüttel gibt es seit eh und je eine Werksfeuerwehr und diese Feuerwehr hat ein Übungsgelände, auf dem u.a. das Löschen und Retten aus PKWs, Bussen oder Zug-Waggons geübt werden kann. Zusätzlich gibt es auf diesem Übungsgelände das so genannte Containerdorf: mehrere miteinander verbundene Schiffs-Container, in denen mittels Palettenholz Feuer gemacht werden kann, um dann z.B. das Retten von Personen aus brennenden Gebäuden zu trainieren.

Die Möglichkeit, dort zu üben, steht nicht nur den Kameraden im Industriegebiet offen, sondern auch allen anderen interessierten Feuerwehren. Im Gegensatz zur Atemschutzbelastungsübung aus dem letzten Beitrag ist dieses Training keine Pflicht - aber ein besseres Praxis-Szenario wird man nirgendwo finden. Und so machen wir uns einmal jährlich auf den Weg für einen extrem anstrengenden, aber gleichzeitig auch unglaublich lehrreichen Tag nach Brunsbüttel, zuletzt am Samstag, 21.7.

 

Los ging es also im Brandgewöhnungscontainer: Auch, wenn wir "Feuerwehr" heißen, mit Feuer kommen wir tatsächlich sehr selten in Berührung, u.a. Dank dem mittlerweile verpflichtenden Einsatz von Rauchmeldern. Viel häufiger werden wir zu Verkehrsunfällen, Wetterschäden oder Umwelteinsätzen alarmiert. Nichtsdestotrotz ist das Löschen von und Retten aus brennenden Gebäuden natürlich eine unserer Hauptaufgaben. Dies lernen wir zwar häufig und sehr intensiv in den verschiedenen Lehrgängen auf dem Weg zum Feuerwehrmann/-frau, aber eben immer "kalt". Um zu sehen, wie das Gelernte in der Realität aussieht, wie sich ein Feuer entwickelt, was die verschiedenen Formen des Rauches zu bedeuten haben, wie unterschiedlich sich der Rauch bei verschiedenen Brennstoffen entwickelt, welche Auswirkungen eine offene oder geschlossene Luftzufuhr hat, zu fühlen, wie heiß es in einem brennenden Zimmer wird, zu lernen, wie sehr man sich auf seine Schutzkleidung verlassen kann und wo ihre Grenzen liegen, zu merken, wie wichtig es ist, die Schutzkleidung korrekt anzulegen und auch keine "kleinen Nachlässigkeiten" zu dulden: dafür ist der Brandgewöhnungscontainer bei Temperaturen von ca. 600 - 800°C da.

Mit (viel!) Trinkwasser und einem fantastischen Mittagessen wurden wir versorgt von unserer Gemeindevertreterin Petra Gebhardt und unserem Kameraden Willy, bevor es zum Nachmittag weiter ging zur Container-Wohnung: Mehrere mittels eingebauter Türen verbundene Container stellen eine Wohnung dar, in der es brennt und in der eine Person in Form einer Puppe gefunden und daraus gerettet werden muss. Wir lernten, wie wir den Brandraum abkühlen, uns in unbekannten und verrauchten Räumen orientieren und wie wir damit umgehen können, dass wir neben der Personenrettung ja auch noch jede Menge Material mit in die Brandwohnung hinein nehmen müssen, wie Axt, Lampe, Leine, gefüllter Schlauch (letzterer wiegt allein ca. 40 kg), etc.

 

Nachdem wir im brennenden und mit reichlich Überraschungen gespickten "Haus" also den Dummy gefunden hatten, ging es für den jeweils aus 2 Kameraden bestehenden Trupp auf den Rückweg zum Eingang, um den Dummy an den "Rettungsdienst" zu übergeben. Durch die Hitze und das hohe Gewicht der persönlichen Schutzausrüstung sowie des mitzuführenden Materials waren wir alle sehr geschafft! Abschließend übten wir noch ein so genanntes Mayday-Manöver, bei dem simuliert wird, dass ein Feuerwehr-Kamerad im Haus verunglückt, so dass ein weiterer Atemschutztrupp in das brennende Objekt geschickt wird, um sowohl den Dummy als auch den Kamerad, gespielt durch einen der Ausbilder vor Ort, zu retten.

Wie eingangs erwähnt, können auf dem Übungsgelände aber nicht nur Atemschutzeinsätze trainiert werden, sondern z.B. auch die Rettung aus einem PKW oder das korrekte Löschen eines Fettbrandes. Aus diesem Grunde hatten sich an diesem Samstag nicht nur die Atemschutzgeräteträger (AGT) auf den Weg nach Brunsbüttel gemacht, sondern auch Kameraden ohne AGT-Ausbildung und selbst solche aus unserer Jugend-Abteilung. Unter anderem das Löschen mit Schaum (für Fettbrände, aber auch für Fahrzeugbrände) stellt unter "normalen" Übungsbedingungen ein Problem dar, da der Schaum korrekt entsorgt werden muss. Aufgrund des Abscheiders im Industriepark ist dies problemlos möglich, so dass auch diesbezüglich die Fähig- und Fertigkeiten aufgefrischt werden konnten.

 

Wir hatten bei den Ausbildern der Feuerwehr Brunsbüttel einen unglaublich lehrreichen Tag und sagen ganz, ganz herzlich DANKE für euer Engagement, euren Spaß an der Sache und die vielen wertvollen Tipps. Am Ende waren sie genauso kaputt wie wir. Dann seid ihr wohl auch nur Menschen und doch keine Maschinen... Lachend

 

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